MUSIKAUKTION – Rock Arena Jena

Musikauktion war in den Jahren von 1974 bis 1988 ein Mega-Event: Wie ein Magnet wirkten diese Veranstaltungen auf das Publikum, wurden zum geflügelten Wort und „Rock Arena Jena“ zur Legende!

MUSIKAUKTION bestimmte den musikalischen Trend und gab den beteiligten Musikern ein Ziel. Bereits zum Start in Jena und später in Cottbus, strömten tausende Zuschauer in die stets ausverkauften Konzerte.

Alle Musik-Formationen, die in dieser Zeit „Rang und Namen“ hatten und über eine staatliche Zulassung verfügten, traten auf.

Rund 15 Jahre war die MUSIKAUKTION musikalischer Wegbegleiter aller, an der Rock und Pop Musik, interessierten Menschen.

Interview mit dem Ideengeber und Erfinder der MUSIKAUKTION der Autor, Redakteur und Regisseur Gerald H. Ueberscher.

MUSIKAUKTION – Was bedeutete das damals?

Die MUSIKAUKTION war eine Form der Versteigerung von Musik und stellte eine künstlerische „Wert-Ermittlung“ der jeweils beteiligten Gruppen dar. Die Zuschauer, also die „Bieter, Kunden, Käufer“, gaben ihre Gebote ab. Dies erfolgte durch Ankreuzen auf den ausgegebenen Wertungskarten. Solcher Auktionsmechanismus bestimmt, welche der Gruppen den „Zuschlag“ erhält und Sieger wird.

Ein Solist oder eine Musikformation erkennt oft nicht seinen künstlerischen Wert oder überschätzt sich. Der Zuschauer oder Bieter, kennt seinen „persönlichen Geschmack“ und er weiß, was er möchte. Dieser Mechanismus, also die Auktion, führt im Idealfall zum Verkauf, zum aktuellen Marktpreis und der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Der Auktionator agierte mit Hammer: Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten, Zuschlag.

Am Ende des Abends stand eine „Siegergruppe“ fest. Im Endprinzip: Subjektives Empfinden!

Diese Art Findungsprozess hat naturgemäß seine Macken und basiert auch auf der aktuellen Tagesform. Alle Beteiligten nahmen diese Art der „Bewertung“ – von Anfang an, sehr ernst und waren immer bestrebt „Erster“ zu werden. Oft mussten die abgegebenen Zuschauerstimmen mehrfach ausgezählt werden, vor allem bei etwaiger Stimmzahlengleichheit. Immer war ein „Beauftragter“ der Wertungsgruppe zugegen und es wurde über jede Veranstaltung gewissenhaft Protokoll geführt. Anfangs haben wir in Form einer großen Jamsession, am Ende der Veranstaltung, einen enormen emotionalen Höhepunkt geschaffen. Es hat Freude bereitet und viel Spaß gemacht.

Im Laufe der Jahre gestaltete sich die MUSIKAUKTION natürlich zum Happening und wir haben das alles nicht mehr so ernst gesehen.  

Soulful Dynamics – Das war ein Wochenende im Saaletal! Tropische Temperaturen, dazu alle nur möglichen Regenvarianten. Ein super Erfolg. (Foto Lutz Masanetz) 

Pop aus Jamaika – zur MUSIKAUKTION

Pop aus Jamaika – zur MUSIKAUKTION

MUSIKAUKTION – Wie entstand die Idee?

Dies war ein sehr langer Prozess. Ein erster Ausgangspunkt war Woodstock. Dieses Musikfestival im August 1969, ging als Legende in die Pop-Geschichte ein. Ich konnte das als DDR-Bürger allerdings nur im Radio oder im TV verfolgen. Dennoch waren es Tage in denen Peace and Music von einer halben Million Fans in ein Musik-Paradies entführt wurden, in eine Utopie von freiem Leben und gewaltfrei. Vorausgegangen war das Jahr 1968, mit all den Erfahrungen: Studentendemonstrationen in Paris, Gewalteinsätze der Polizei im damaligen Westberlin gegen Studenten im Rahmen des Schah-Besuches und der Einmarsch der Truppen der Sowjetunion in Prag.

Viele – vor allem jüngere – Menschen waren aufgewühlt: Das kann doch alles nicht wahr sein. Können wir etwas ändern. Das betraf vor allem und ganz besonders die Kulturszene. Wir wollten etwas ändern, aber was und wie sollte das erfolgen?

Dann folgten die „Weltfestspiele der Jugend und Studenten“ 1973 in Berlin. Diese waren für mich ein relevanter künstlerischer Ausgangspunkt. Ich gestaltete das Mega-Event „Glückwunsch den Geburtstagskindern“. Täglich mittags um 12 Uhr auf dem Alexanderplatz in Berlin, mit jeweils etwa 20.000 Zuschauern. Alle feierten, mit denen, die am jeweils aktuellen Tag Geburtstag hatten.

Als Redakteur und Regisseur inszenierte ich den „Internationalen Studenten Klub“, eine tägliche Abendveranstaltung für Studenten, die in Berlin zu Gast waren. Hier traten Künstler, Musiker, Solisten aus aller Welt auf, auch aus der DDR.

Es stand für mich die Frage: Wie setzen wir das um?

Musikalisch kein Problem, aber in der sprachlichen Übermittlung schon. Ich hatte die Idee: Wir suchen uns vier junge Moderatoren, Ansager, Conférenciers, die sich in abgestimmter Form in den unterschiedlichen Sprachen ergänzen ohne sich inhaltlich zu wiederholen. Die vier jungen Leute wurden gefunden und auf ihren Auftritt trainiert. Das waren ebenfalls Studenten, aus dem In und Ausland, sie lebten damals in Leipzig, Jena, Berlin sowie in anderen Teilen der DDR. Am Ende war es ein großer Erfolg. Eine perfekte Wortwahl, in acht oder neun Sprachen.

Im Konzertteil traten nationale und internationale Gruppen auf, von Renft, Phudys, Dean Reed, Prinzip. Als Stargäste unter anderen Angela Davis aus den USA, Jasser Aravad und zahlreiche Prominente der damaligen Zeit. Diese Plattform nutzte ich und stellte immer wieder meine „Vision MUSIKAUKTION“ vor: Eine Versteigerung von Musik. Die Idee wurde gut aufgenommen.   

MUSIKAKTION – Rock Arena Jena

MUSIKAKTION - Rock Arena Jena

Freunde – Helfer – Mitmacher aus Jena

MUSIKAUKTION – Wann erfolgte der Start?

Wichtig ist immer ein Produzent. Damals war es Klaus Hörnig, Kulturhaus Volkshaus Jena VEB Carl Zeiss Jena, den ich als Partner gewinnen konnte. Nach langen Diskussionen folgte die erste Veranstaltung. Wir nutzten die damals sehr populären „Betriebsfestspiele VEB Carl Zeiss Jena“ und starteten durch: MUSIKAUKTION – 1. Folge: Sonntag, 29. September 1974 von 14.30 bis 18.00 Uhr Ernst Abbe Stadion. Im Showteil: Veronika Fischer und Band

Nach offiziellen Schätzungen der Volkspolizei waren rund 10.000 Zuschauer anwesend. Super: Wir hatten auf Anhieb einen fulminanten Start hingelegt. Darauf aufbauend realisierten wir weitere Folgen im Volkshaus Jena.  

MUSIKAUKTION – Plötzlich Rock Arena Jena?  

Ja, wir waren künstlerisch gewachsen, wir hatten nicht nur junge Zuschauer begeistert. Wir empfingen ein breites positives Echo. Es folgten zahlreiche Konzertveranstaltungen im Volkshaus. Wir starteten deshalb erneut im Stadion durch zur: MUSIKAUKTION – Rock Arena Jena – 21. Juni 1975 14.00 – 22.00 Uhr Ernst Abbe Stadion Jena.

Mitwirkende: Jazz Q Praha, Prinzip – Rock Band Berlin, Karat Rock Band. Sowie Fonograf – Pop Band aus Ungarn, Soulful Dynamics – Pop aus Jamaika, Schloßgeister Dornburg, Uwe Schikora und Gruppe, Bergendy – Rock Band aus Ungarn, Gruppe Lift aus Dresden, Banditen & Musketiere – eine Stuntshow aus Prag und Nina Hagen sang „Du hast den Farbfilm vergessen“.

Das Ernst Abbe Stadion bildete einen optimalen Rahmen und der Titel „Rock Arena Jena“ war von mir richtig gewählt. Nach offiziellen Schätzungen waren rund 18.000 Zuschauer im Stadion. Es gab keinerlei negativen Erscheinungen.

Am späten Nachmittag setzte starker Regen ein. Doch die Zuschauer harten aus und blieben bis zum Ende. Zweimal mussten wir unterbrechen, wegen des Regens, Planen spannen und so manches Andere. Die MUSIKAUKTION wurde zur Schlammschlacht! Alle mitwirkenden Teilnehmer waren mit Stolz erfüllt. Ein super Erlebnis der Spitzenklasse. „Wir waren dabei!“

Besonders der damalige Shooting-Star Nina Hagen war fasziniert, sprach darüber mit den Medien und mit Udo Lindenberg. Udo Lindenberg zeigte sich ebenfalls sehr stark beeindruckt und schrieb seinen Song: Rock ‘n’ Roll-Arena in Jena

Ich würd’ so gerne bei euch mal singen
meine Freunde in der DDR
‘ne Panik-Tournee, die wird’s echt bringen
ich träume oft davon, wie super das doch wär’
Doch die Funktionäre sind noch unentschlossen
diese „westliche Müllkultur“ sei nichts für die Genossen
wann sehen die Herren endlich mal klar
und bauen die Rock ‘n’ Roll-Arena in Jena?
(… oder bleibt die DDR
in Sachen Kulturaustausch weiterhin
die „Deutsche Desillusions- Republik?“)

Udo Lindenberg beschäftigte sich damals besonders mit der Teilung Deutschlands durch die Mauer. Er sprach öffentlich über bislang Unausgesprochenes und machte die DDR zum Thema seiner Songs. Mit seinem Lied „Rock ‘n’ Roll Arena in Jena“ forderte der Musiker zum ersten Mal eine „Panik-Tournee“ durch die DDR. Er bricht mit seiner Offenheit viele Diskussionen zum Thema DDR und deren Kulturpolitik vom Zaun.

MUSIKAUKTION wurde über Nacht deutschlandweit bekannt und wir damit noch populärer. Die Freude war groß und der damit ausgelöste Ansporn enorm. Dank an Udo Lindenberg: Nun waren wir wirklich die Rock Arena Jena!

Rock Arena Jena

Rock aus Ungarn: Fonograf und der Regen

Rock aus Ungarn: Fonograf und der Regen (Foto Hans-Werner Kreidner)

MUSIKAUKTION – Sie hatten bestimmt Probleme?

Natürlich. Das Kleinste davon war, die agierenden Gruppen immer von der Idee eines Wettbewerbes zu überzeugen: „Wer an der Spitze steht, scheut oft den Wettbewerb!“

Meine prinzipielle Überzeugung: Nur Wettbewerb bringt uns voran!

Das größere Problem war die Akzeptanz durch die Partei- und Staatsführung. Damals stand Individualität nicht gerade hoch im Kurs. Das Kollektiv war wichtig und nicht das einzelne Individuum. Wenn man jedoch einige Regeln beachtete, konnte man unbehelligt leben und vor allem intensiv arbeiten. Keiner musste in die SED eintreten oder für die Staatssicherheit arbeiten. Aber: Man hatte eben gesellschaftliche, vor allem politische Festlegungen zu bedenken und noch wichtiger zu beachten: „Genossen, das müssen wir politisch sehen!“, war eine gängige Phrase in diesen Jahren.

In den erforderlichen schriftlichen Konzeptionen, für jede einzelne Veranstaltung und die bildete immer die Basis zur offiziellen Genehmigung – wurden diese Phrasen gebetsmühlenartig eingefügt.

In Jena kam erschwerend hinzu: Hier war ein besonderer „Ideologischer Schwerpunkt“ der DDR, mit dem neu angetretenen Generaldirektor Wolfgang Biermann an der Spitze. Auch ZK-Chefideologe Kurt Hager war ständig präsent. Viele dieser Leute, allerdings auch die niedrigeren Chargen, redeten uns rein. So mussten wir alle Texte der Sprecher, Auktionäre und die „vorgesehenen“ Antworten, bereits im Vorfeld, genau festlegen. Aber auch die Texte der Songs der Gruppen, obwohl die schon vom Lektorat im Rundfunk abgesegnet waren. Wahnsinn! Aber so war es.

Rock Arena Jena – Bergendy Budapest 

Bergendy Budapest

„Im September 1974 fand zum ersten Mal — auf Initiative des Kulturhauses des VEB Carl Zeiss Jena in Zusammenarbeit mit Gerald H. Ueberscher aus Berlin — die Musikauktion der DDR statt. Musik zu versteigern, ist freilich etwas Neues und so war es nicht verwunderlich, dass die Musikauktion Tausende Jugendliche zu einem fünf­stündigen Programm ins „Ernst-Abbe-Stadion“ lockte“, schrieb Unterhaltungskunst 9/75. (Foto Lutz Masanetz) 

MUSIKAUKTION – Wie ging es in Jena weiter?

Wir nutzten für die MUSIKAUTION immer das Volkshaus Jena. Das Haus hatte aber nur etwa 800 Plätze und war daher für unser Anliegen zu klein. Trotz des riesigen Erfolges der „Rock Arena Jena“ als Open Air Event im Stadion, durften wir das im Sommer 1975 nicht wiederholen. Die „verantwortlichen Genossen“ um Wolfgang Biermann waren der Meinung: „Die Rock Arena Jena ist für die Kulturpolitik der DDR nicht geeignet“.

Im Team beschlossen wir: Finale am Samstag 6. November 1976. Das war das Ende in Jena und zugleich wieder ein super Erfolg. 

MUSIKAUKTION – Nun in der Stadthalle Cottbus?

Zur Realisierung einer solch enorm großen Veranstaltung benötigt man immer Partner. Da ich alle damaligen Bühnen oder Veranstaltungsorte kannte, war ich über zahlreiche Auftrittsmöglichkeiten informiert. So reiste ich Ende 1974 nach Cottbus, dort sollte am 3. Oktober 1975 die neue Stadthalle Cottbus eröffnet werden. In Dieter Nehmzow dem Direktor der Stadthalle fand ich einen kompetenten Partner, somit Produzenten und späteren kollegialen Freund.

Cottbus war damals die Metropole der Lausitz: Bergbau und Energie bestimmten die Wirtschaft und hier waren sehr viele Jugendliche beheimatet.

Auch stellte ich fest: Die „Ideologischen“ Hürden lagen nicht ganz so hoch wie in Jena.

Sofort nach der Eröffnung der Stadthalle Cottbus starteten wir am 10. November 1975 die MUSIKAUKTION Rock-Music. Mit dabei waren Bands wie GRH-Projekt, Elektra, Express Berlin, Prinzip und Veronika Fischer.

War der Start in Cottbus von Erfolg gekrönt?

Ja und dies eindeutig! Von den jeweils 1.580 ausgegeben Wertungskarten erhielten wir immer rund 1.400 Karten ordnungsgemäß mit Namen ausgefüllt zurück. Ein Erfolg, der sich über 50 weitere Folgen und fast 14 Jahre fortsetzte. Natürlich wurde nicht nur die 1. Folge dieser Veranstaltung gründlich und intensiv vorbereitet. Ich wollte immer und zu jeder Veranstaltung ein volles Haus.

Da ich als Autor und Redakteur tätig war, war es für mich immer sehr wichtig: Ideen für Serien zu entwickeln. MUSIKAUKTION war im Endprinzip eine Serie, die Zuschauer kamen vordergründig wegen des Namens, sie kannten unsere Qualität.  

Alles beginnt immer mit einer Idee – die sollte grundsätzlich realistisch sein – und dann kommen schon die Gespräche mit den Produzenten. Wenn man das dann alles noch selbst inszenieren möchte – man ist ja schließlich Regisseur – ist ein Team unerlässlich.

Je nach Größe und Art des vorgesehenen Programms arbeitet man mit Technikern, Szenenbildnern, Beleuchtern sowie zahlreichen anderen Gewerken intensiv zusammen und auch diese sind Künstler. Hier gilt es in kürzester Zeit, oft nur in ein paar Stunden, ein festes Team zu bilden, aber man kennt sich ja. Diese Teamarbeit bestand in Cottbus. So folgten kurz nach dem Start der MUSIKAUKTION, bereits am 22. Dezember 1975 „Festtagsknüller“, die waren im Bereich Pop Music angesiedelt, eine internationale Show. Dies war übrigens eine weitere, die erste, Eigenproduktion der Stadthalle unter meiner Leitung. „Festtagsknüller“ kamen an und die liefen als „Serie“ über mehrere Jahre mit steigendem Erfolg.

Bei solcher Art Programmen – mit Tausenden von Zuschauern – achtete ich hinsichtlich Werbung, Kartenvertrieb sowie in Belangen von Ordnung und Sicherheit, auf deren exakte Einhaltung. Eine Problematik, die man nicht unterschätzen sollte.

Hinzu kommt noch die Arbeit mit den Medien. Journalisten fragen nicht unbedingt nach den technischen Details, sondern vordergründig nach den Inhalten, Künstlern, den Stars der Veranstaltung. Deshalb empfinde ich, für mich, die kreative Arbeit mit den Solisten, den Bands und allen Mitwirkenden – ob Voll-Profi oder Amateur – von größter Wichtigkeit. Dies reicht von inhaltlichen Absprachen über Repertoire bis hin zum inszenierten Auftritt.

Der Regisseur muss ja letztendlich alles in Szene setzen. Er ist voll verantwortlich. Für alles.  

Wie sehen Sie den Beruf Regisseur?

Gute Frage. Auf alle Fälle sind das in aller Regel – so meine Meinung – keine „normalen“ Menschen: Man muss besessen sei. Visionen sind da schon wichtig. Voller Ideen sprühen, optimistisch sein und positiv denken. Ideen müssen auch realistisch sein, sonst könnte es in der Umsetzung schnell Probleme geben. Dennoch, Kunst ist auch eine Frage der Beobachtung und ein Regisseur möchte Spuren hinterlassen. 

Auf dem Gebiet der Unterhaltung wird es noch etwas schwieriger. Unterhaltung, die auf der Bühne locker und elegant wirkt, federleicht ausschaut, ist oft schwierig zu inszenieren. Unterhalten oder die „Leute zum Lachen“ bringen, Freude bereiten, ist nicht gerade ganz einfach.

Es ist so wie im Fußball – alle sind die perfekten Trainer, viele reden einfach nur rein, wissen alles besser. Dennoch, Erfolg ist planbar!

Ich sehe meine Arbeit im Bereich Unterhaltung so: Erfahrung, Routine, Vermutung!

Die handwerklichen Grundkenntnisse sollte man perfekt beherrschen. Im Laufe der Zeit sammelt man Erfahrungen, in jeder Hinsicht, und entwickelt eine positive Routine. Hinzu kommt eine bestimmte Vermutung: Was kommt an, wie und in welcher Form sollte man ein Thema gestalten. Eben ein Visionär sein, Jemand, der die Dinge anpackt. Man sollte ein gutes Verhältnis zu den Künstlern entwickeln, sich in technischen Parametern wie in gesetzlichen Bestimmungen auskennen. Vor allem aber sollte man auf dem Boden der Realitäten des Lebens stehen. Auf alle Fälle sich mit den Erfordernissen der Zeit auseinandersetzen.

Von Klassik bis Entertainment, ich habe mich stets sehr breit aufgestellt, war immer um kreative Vielseitigkeit bemüht. „Fußballspiel der Prominenten“, „Science & Music“ – eine Show zum Thema: „Vision-Zukunft“ und super große „Heimatfeste“ oder im kleineren Rahmen den traditionellen „Heiratsmarkt“ – eine Partner-Vermittlung auf der Bühne. Nochmals: Die Idee ist relevant!  

Welche Rolle spielt der Musikredakteur?

Eine sehr Wichtige. Dies gilt übrigens für alle Formen einer Inszenierung mit musikalischen Darbietungen. Ich selbst hatte großes Glück und einen absoluten Fachmann an meiner Seite. Mit diesem habe ich fast 20 Jahre Musik-Veranstaltungen produziert: Wolfgang Martin.

Im Sommer 1974 war ich für die „Künstleragentur der DDR“ im Unterhaltungsbereich als „Freier“ Mitarbeiter tätig. Mein damaliger Chef Günther Friedel, reiste oft durch die „westliche Welt“. Dort hörte er sich die aktuellen Solisten und Gruppen an, führte Verhandlungen und so manche kamen dann zum Auftritt in die DDR. Die Adresse Berlin Krausenstraße am Checkpoint Charly war weltweit bekannt.

Eines Tages, ich hatte Bürodienst und bereitete DDR-Tourneen mit der Chris Barber Band London, Les Poppies Paris und Middle of the Road vor, klopfte es an der Tür, Spencer Davis stand vor mir: „Bitte Herr Friedel sprechen“ und bat um einen Vertrag.

Obwohl Spencer Davis unangemeldet kam, ich in diesen Fragen selbst nicht aktiv werden durfte, führte ich ein längeres Gespräch. Ein netter Mensch und ein toller Musiker.

Am gleichen Abend besuchten wir gemeinsam eine Veranstaltung im Kino Kosmos in der Berliner Karl-Marx-Allee. Dort traten mehrere Gruppen auf und Spencer Davis wollte sich die DDR-Szene einmal „anhören“. Natürlich durfte er selbst nicht auftreten.

Zwischenzeitlich hatte ich einen „Pressetext der Künstleragentur der DDR“ geschrieben, dies gehörte zu meinen Aufgaben und der war für die Medien gedacht: „Die Spencer Davis Group wurde 1963 in Birmingham von Spencer Davis (Gitarre und Gesang), Steve Winwood (Orgel, Klavier und Gesang) und Muff Winwood in Birmingham gegründet. Ihre ersten Auftritte hatten sie im Golden Eagle Pub. Steve Winwood verließ die Gruppe im Jahre 1967 und gründete seine eigene Gruppe. Nach dem Weggang ihres Frontmannes ging der Erfolg der Spencer Davis Group zurück. Nach diversen Umbesetzungen löste sich die Band auf. 1973 gab es eine Wiedervereinigung“.

Im Kino Kosmos waren Redakteure aus den Medien und diesen übergab ich die Meldung. Ein damals recht junger Mann, („ein junger-zorniger Mann mit langer Mähne“ so Günter Friedel in seiner späteren Einschätzung) sprach mich an: „In der Vita stimmt manches nicht!“ Es folgten detaillierte Begründungen und auch ein Gespräch mit Spencer Davis. Natürlich änderte ich sofort diese meine Meldung.

Mein erster Eindruck: Wolfgang Martin war ein kompetenter Fachmann. Damals freier Musikredakteur beim Rundfunk. Dort qualifizierte er sich ständig und leitete nicht nur die Sendung „Die Notenbude“. Wir kamen immer intensiver in Kontakt.

Ab 1975 betreute er alle Folgen MUSIKAUKTION. Auch entwickelten wir gemeinsam neue weitere Großveranstaltungen im Bereich Rock Music und Pop. Dazu gehörten ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen für Kinder, die mit Erfolg gestaltet wurden. Wir bildeten ein gutes Team und hatten facettenreiche Erfolge. Ein sehr guter Mann. Leider haben wir uns aus den Augen verloren. Schade! 

… und welche Rolle spielte der Moderator?

Eine berechtigte Frage: Der Moderator, Ansager oder Conférencier ist für eine „gute Show“ immer ein wichtiges Bindeglied und „Verkäufer“ der jeweiligen Idee zugleich. Er sollte dem Inhalt des Programms voll entsprechen. Ich bilde mir ein, wir hatten, zur jeweiligen Veranstaltung, immer den Richtigen. Zur MUSIKAUKTION in zahlreichen Varianten: Dieter Hunziger, Peter Niedziella, Harry Bahlkow-Gölitzer oder Thomas Froese. Alles waren erfahrene Moderatoren beim Radio, manche kamen vom TV.  

MUSIKAUKTION – War nur Musik zu hören?

Von Anfang an und zu allen Veranstaltungen, waren jeweils unterschiedliche Aktivitäten vorgesehen. Musik ist wichtig, aber wir wollten immer Informationen geben, Hintergründe beleuchten und natürlich auch ein spektakuläres Event gestalten.

Zum Thema Rock-Szene und Musikbranche sollten die Jugendlichen einbezogen werden, Aktivitäten im Foyer oder den Klubräumen bereicherten das Vorprogramm sowie die eingeplante Pause. Hier herrschte Andrang und Hochbetrieb. Im Mittelpunkt dieses Markttreibens stand unser Ausrufer und Dirigent, der Diskotheker.

Einen großen Raum nahmen die Wertungskarten ein. Diese ausgefüllten Karten präsentierten wir an einer Pin-Wand. Jeder „Stammgast“ las also seine eigene Meinung und füllte dann auch gleich seine neue Wertungskarte aus. Ständig hatten wir eine Fotoausstellung mit Verkauf von Fotos der vorangegangenen Folge. Per Aushang veröffentlichten wir die Hitlisten von gewünschten Gruppen. Auch setzten wir die damals modernste Technik, die Multivision ein. Ebenso kam die Lasertechnik zum Einsatz.

Wir verfügten über ein eigenes „Sonderpostamt der Post“ – einmalig – mit MUSIKAUKTION Sonderstempel, Sonderbriefmarken oder Ersttagsbriefumschlägen. Grafiker und andere Künstler wurden einbezogen.

So fertigte Gerhard Vontra eine spezielle Ansichtskarte, die reißend Absatz fand. Aber auch Aufkleber, attraktiv gestaltete Biergläser oder Whiskybecher mit MUSIKAUKTION Motiv aus dem Kombinat Lausitzer Glas Weißwasser, bereicherten. Bücher wurden verkauft und natürlich Schallplatten oder Kosmetikverkauf mit diverser Beratung offeriert. Die Gäste reagierten positiv und tätigten auch Einkäufe. Dies war ein schwieriger Part. Durch die Mangelwirtschaft waren wir auf „Bückware“ angewiesen, konnten aber immer eine optimale Lösung finden.

Diesem Ideenreichtum der Gestaltung wurden keine Grenzen gesetzt. Wir riefen immer wieder erneut auf: Macht Vorschläge und gestaltet Eure Veranstaltung selbst mit.

Alles zusammen bildete eine harmonische Einheit. Auch die Gastronomie der Stadthalle spielte eine wichtige Rolle. Aus diesen Erfahrungen heraus entwickelten wir für die Stadthalle eine komplette neue Serie: Kontraste – und die führte zu einer weiteren exorbitanten Bereicherung des Musikgeschehens.

Zur Siegerehrung erhielten alle Mitwirkenden eine eigens gestaltete Urkunde sowie eine Plakette. Ein signifikantes Product placement: Wiedererkennungswert und Produktbindung zugleich. Insgesamt war MUSIKAUKTION ein Corporate Identity – alles aus einem Guss.  

Wollten Sie mit der MUSIKAUKTION expandieren?

Ja, aber diese Idee war nicht gut. Solche enormen Großveranstaltungen sind nur als Open Air Event oder im super großen Saal realisierbar.

Der größte Saal, der damals neu gebaut werden sollte, war der Palast der Republik Berlin. Mit Schreiben vom 4. September 1975 wandte ich mich an die Direktion und übergab meine Konzeption. Und sofort stieß ich in die kulturpolitische Enge und damit verbundenen Zwänge der sozialistischen Zeit. Jahre später informierte mich Heinz Werner, Mitarbeiter von Karl Holan, über Details der Ablehnung: „Wir wollen keine Bewertung durch die Zuschauer“. Man hatte Angst vor dem Wettbewerb und somit vor der Meinung des Publikums. Der Titel der dann vorgesehenen Veranstaltung: „Rock für den Frieden“, war ein politisch akzentuiertes Programm von 1982 bis 1987. Die Treue der Jugend zur SED-Partei stand ab sofort im inhaltlichen Mittelpunkt. Dazu standen auch enorme finanzielle Mittel zur Verfügung. Ab 1988 folgten Rock-Konzerte im Stadion Rennbahnstraße Berlin, die waren gut aber teuer. Cottbus verfügte nicht über diese sehr hohen finanziellen Mittel. Trotz dieser ablehnenden Haltung, durch eine Einrichtung des Ministerrates, machten wir weiter.

Solidarität?

MUSIKAUKTION hatte von Anfang an immer den Gedanken der internationalen Solidarität aufgegriffen und Informationen über das aktuelle Geschehen kamen auch nicht zu kurz. Die MUSIKAUKTION erhielt in diesen Jahren zahlreiche künstlerische Auszeichnungen und Ehrungen. Eine Anerkennung unserer Arbeit. Wir starteten immer mehr durch und hatten bei unserem Publikum großen Erfolg. Bis zum Ende 1988. 

MUSIKAUKTION – Dann kam das Ende?

Alles hat ein Ende, auch die Beste und erfolgreichste Show.

Für das Ende sehe ich zwei Hauptgründe:

Zum einen: Obwohl wir bereits von vier auf drei Wertungsgruppen reduziert hatten, die Stadthalle hatte nicht mehr genügend Mittel um die Honorare zu bezahlen. Wir arbeiteten zwar weitestgehend kostendeckend, doch das Geld kam aus dem Kulturfonds, wir wurden quasi vom Staat bezahlt. Alle Kosten waren gestiegen und das Geld wurde knapp. Gut ein Jahr später war die DDR bankrott.

Relevantester Punkt war die damalige sozialistische Kulturpolitik der DDR. Vieles stagnierte, es ging nicht mehr voran. Nicht jede redaktionell vorgesehene Gruppe, Solist oder Moderator konnte unter Vertrag genommen werden und auftreten.

Der Grund: Zahlreiche Künstler gingen in den „Goldenen Westen“ oder hatten einen Ausreiseantrag gestellt. Man konnte und durfte sie deshalb nicht engagieren, übrigens betraf das alle Programme, die ich damals inszenierte. Die Decke wurde immer dünner.

Auch mussten wir redaktionell – vor allem in der Moderation – noch mehr die Ideologie der Parteilinie beachten. Die innenpolitische „Politisierung“ in der Kulturpolitik hatte enorm zugenommen, in vielseitiger Form und das betraf nicht nur die Rock und Pop-Musik. Dieser politische Druck kam nicht nur von „Oben“, auch an der Basis vor Ort gab es einige „100-prozentige“ Leute, in den kulturpolitischen Gremien: „Wir müssen auf der Bühne politisch motivierte Programme gestalten“. Das alles wurde – auch mir gegenüber – mit viel Demagogie untermauert. Ob 1975 in Jena oder 1988 in Cottbus, man hatte Probleme: „Genossen, das müssen wir politisch sehen!“. Im Endprinzip war natürlich auch Neid und Missgunst vorhanden. C´est la vie. So ist das Leben!

So oder so: Nach über 13 Jahren und 50 Folgen MUSIKAUKTION war Schluss. Wir sagten allen Musikfans: Auf Wiedersehen!

Folge 50. Am 15. Mai 1988 mit Aktivitäten auf dem Vorplatz mit Michael Barakowski Band, MTS, Jonathan Blues Band, Reaggae-Play, City, Plattform, anGENEHM, 2 Wege. Moderation Thomes Froese. Und das Ganze nochmals am 16. Mai 1988

Blicken Sie mit Wehmut zurück?

Es ist für jeden Künstler und somit auch für mich, wohltuend und immer sehr schön – wenn man Erfolge zu verzeichnen hat. Das Publikum freut sich über eine Show oder die agierenden Künstler. Es lacht, applaudiert und – hoffentlich nie – es gibt manchmal Buh-Rufe, gerade bei jungen Zuschauern. So ist das Leben auf der Bühne. Das ist ganz normal!

Wer kennt schon den Regisseur?

Die MUSIKAUKTION war für mich als Redakteur und Regisseur die erfolgreichste Jugendveranstaltung und dies über 14 Jahre.

Wer kann das schon vorweisen? Ich – mein Team – wir hatten Erfolg!

Jede Epoche hat ihre Themen, seine Künstler und auch Erfolge.

Als Redakteur und Regisseur wollte ich mit meinen Programmen das Publikum immer mit Optimismus in den nächsten Tag – in die Zukunft begleiten. Menschen begeistern. Jederzeit neue Projekte „erfinden“, auf dem facettenreichen Feld unserer vielseitigen kulturellen Welt.

Das habe ich gemacht und mache es noch immer!

Wehmut? Man freut sich halt, wenn man ganz aktuell zur Versteigerung bei eBay noch immer Biergläser oder Sonder-Briefmarken der MUSIKAUKTION findet.

Dies hat ja schließlich ein Besucher, ein Fan unserer Veranstaltung, einmal gekauft, aufgehoben und möchte es jetzt an den Mann bringen, meistbietend versteigern. Also die MUSIKAUKTION lebt. Nur die richtigen Ideen sind von Erfolg gekrönt!   

Vielen Dank für das Gespräch 

Von Su Kramer

Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten in Cottbus

Rundfahrt durch Cottbus mit einem Lied auf den Lippen: Ein Zungenbrecher ist eine bestimmte Wortfolge, deren schnelle, wiederholte Aussprache selbst Muttersprachlern schwerfällt. Oft handelt es sich um ähnliche Wörter, die aufeinander folgen, sich aber in bestimmten Silben unterscheiden. Zungenbrecher sind allerdings eher aufgrund ihrer ungewöhnlichen Wortzusammenstellung schwierig und erfordern deshalb eine höhere Konzentration.

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